Tiere & Natur
Curisfera-Redaktion
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Bäume sind keine Statuen: Sie spüren ihre Neigung und steuern gegen

Eine französische Studie an jungen Pappeln legt nahe, dass Bäume ihre eigene Form wahrnehmen und mit gegenläufigem Holz korrigieren. Pflanzen sind aktiver, als wir meinen.

Veröffentlicht
1. November 2026
Lesezeit
3 min
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Foto: David Lally / Wikimedia Commons (CC BY-SA 2.0)

Fragt man die meisten Menschen, was ein Baum den ganzen Tag tut, lautet die ehrliche Antwort: „nichts“. Er steht einfach da. Eine neue Studie legt jedoch nahe, dass schon das Stehen Arbeit ist: Bäume scheinen zu bemerken, wenn sie schief sind, und korrigieren das aktiv.

Was die Forscher herausgefunden haben

Laut ScienceDaily haben Wissenschaftler festgestellt, dass Bäume ihre eigene Form wahrnehmen und ihre Stämme mithilfe von spezialisiertem Holz aufrichten können, das wie gegenläufige Muskeln wirkt. Das Experiment, durchgeführt von Forschern des französischen Instituts INRAE und der Université Clermont Auvergne, begann schlicht: Junge Pappeln wurden in Töpfen auf die Seite gelegt, wie Ecoportal beschreibt.

Das fragliche Holz heißt Zugholz. Einem der von uns geprüften Berichte zufolge kann es je nach Bildungsort gegensätzliche Funktionen übernehmen, ähnlich wie Muskeln, die in entgegengesetzte Richtungen ziehen, um die Haltung eines Tieres zu halten oder zu verändern. Die Berichte deuten den Befund als eine Form der Propriozeption: Der Baum nimmt die Konfiguration seines Körpers wahr und nutzt diese Information zur Selbstkorrektur.

„Muskel“ ist eine Metapher – und eine gute

Hier ist Vorsicht geboten. Eines der Medien in der Dokumentation sagt es deutlich: Es gibt kein Nervensystem und keine versteckten Muskeln unter der Rinde. Das Wort ist eine Analogie, und Schlagzeilen dehnen sie. Zudem liegt uns nur Sekundärberichterstattung über ein einziges Experiment an jungen Pappeln vor. Die Studie selbst haben wir nicht gesehen, und das Material nennt nicht, wo sie erschienen ist; wie sie die Begutachtung durch Fachkollegen überstanden hat, können wir daher nicht sagen. „Alle Bäume tun das“ ist eine Hypothese, kein Ergebnis.

Dennoch hat die Analogie aus unserer Sicht ihre Berechtigung. Eine der Quellen erinnert an eine PNAS-Studie von 2012 mit einem mathematischen Modell: Allein die Wahrnehmung der Schwerkraft könne nicht erklären, wie Triebe sich gleichmäßig aufrichten, ohne wiederholt über das Ziel hinauszuschießen. Es brauchte etwas Zusätzliches: eine Rückmeldung über die eigene Krümmung der Pflanze. Genau so sieht ein Regelsystem für die Körperhaltung aus. Ein Baum, der nur auf „unten“ reagierte, würde schwanken. Ein Baum, der zusätzlich seine eigene Biegung erfasst, kann sich senkrecht einpendeln.

Warum das Bild der „statischen Kulisse“ ausgedient hat

Die eigentliche Neuigkeit ist unserer Ansicht nach konzeptioneller Natur. Wir beschreiben Pflanzen weiterhin als passiv und zeigen uns dann überrascht, wenn sie ausgefeilte Rückkopplungsschleifen betreiben. Wachstum ist langsam, und wir verwechseln Langsamkeit mit Stillstand. Ein Stamm, der gegenläufiges Gewebe aufbaut, um sich selbst in die Senkrechte zu ziehen, tut etwas, das eher der Korrektur eines Turners gleicht als dem Herumliegen eines Steins.

Die praktische Bedeutung ist plausibel, aber noch spekulativ. Die Forscher wollen dieses Wissen laut der Zusammenfassung von MSN nutzen, um Baumform und Holzqualität besser zu untersuchen. Für die Forstwirtschaft ist das relevant: Zugholz verändert das Verhalten von Schnittholz, und wer versteht, wann und warum ein Baum es bildet, kann womöglich besser vorhersagen, welche Stämme gerade wachsen und welche nicht.

Bei der Frage der Sturmfestigkeit, die viele sofort stellen werden, würden wir bremsen. Nichts in der Dokumentation prüft Windschäden oder ausgewachsene Wälder. Es liegt nahe zu sagen, dass Bäume, die sich aufrichten können, Orkane besser überstehen. Das ist jedoch unsere Extrapolation, kein Befund. Ein schiefes Bäumchen über längere Zeit aufzurichten, ist etwas völlig anderes, als eine Böe zu überstehen.

Was man daraus mitnehmen sollte

Man darf sich über den Befund freuen, sollte ihn aber einordnen. Er zeigt anschaulich, dass Pflanzen ihren eigenen Körper wahrnehmen und darauf reagieren, und ist ein guter Grund, die „Kulissen“-Metapher auszumustern. Ein forstlicher Werkzeugkasten oder eine Strategie zur Sturmsicherung ist er noch nicht. Wer Wald bewirtschaftet oder Straßenbäume pflanzt, sollte derzeit mit Neugier reagieren, nicht mit Kurswechseln. Man sollte auf die vollständige Studie und auf Tests an älteren Bäumen achten, denn dort wird sich zeigen, ob diese Idee trägt oder ein hübsches Ergebnis über Pappeln in Töpfen bleibt.

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