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Curisfera-Redaktion
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Onkalo: Sicherheitsfreigabe zeigt, dass Geologie funktioniert – das Nadelöhr ist die Politik

Finnlands Aufsichtsbehörde sieht die Sicherheitsanforderungen für Onkalo erfüllt. Tiefenlagerung lässt sich also planen und regulieren. Schwierig ist die jahrzehntelange Geduld, nicht das Gestein.

Veröffentlicht
23. Oktober 2026
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4 min
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Ist ein 100.000-Jahre-Problem wirklich schwieriger als ein politisches von 40 Jahren? Finnlands Erfahrung legt nahe, dass das zweite die meisten Länder scheitern lässt.

Die finnische Sicherheitsbehörde STUK ist zu dem Schluss gekommen, dass das Endlager Onkalo von Posiva, das als weltweit erste Endlagerungsanlage für abgebrannte Brennelemente im industriellen Maßstab gilt, die Anforderungen für eine Betriebsgenehmigung erfüllt. In ihren Worten: „Hinsichtlich Strahlen- und Nuklearsicherheit steht der Erteilung einer Betriebsgenehmigung für die Anlage nichts im Wege“, wie World Nuclear News berichtete, im August 2026. Posiva beantragt eine Genehmigung bis Ende 2070. Die Genehmigung selbst ist ein separater Schritt: Die endgültige Entscheidung trifft die Regierung, und das Wirtschaftsministerium erklärte, ein Vorschlag könnte im Herbst vorgelegt werden. Eine Bestätigung, dass sie erteilt wurde, liegt uns nicht vor.

Auch mit Genehmigung kann Posiva nicht einfach loslegen. Es stehen noch Tests und die Inbetriebnahme aus, dazu eine weitere Inspektion durch STUK. Das erklärte Ziel des Unternehmens ist, bis Ende 2026 bereit für den Beginn der Endlagerung zu sein.

Die Wissenschaft war nie das schwächste Glied

Das Konzept ist bewusst unspektakulär. Abgebrannte Brennelemente kommen in einen Behälter aus Eisen und Kupfer, umgeben von einem Puffer aus Bentonit-Ton, in den Tunneln folgt eine Verfüllung mit quellfähigem Ton, alles in Grundgestein in etwa 430 Metern Tiefe. Keine einzelne Schicht muss perfekt sein. Das ist der Sinn der Redundanz, und unseres Erachtens die richtige Philosophie für eine Gefahr, die jede uns bekannte Institution überdauert.

Ist es bewiesen? Nicht so, wie eine Brücke durch Verkehr bewiesen wird. Die Behörde prüfte die Sicherheit über mindestens 100.000 und bis zu 1 Million Jahre, was zwangsläufig eine modellierte Aussage ist, keine Beobachtung. Es gab zudem einen wissenschaftlichen Streit: Eine Stockholmer Gruppe stellte 2012 die Korrosionsbeständigkeit der Kupferbehälter infrage, doch die Zusammenfassung bei Wikipedia vermerkt, dass Folgestudien von SKB, dem schwedischen Unternehmen, das die Methode entwickelt hat, diesen Befund zurückwiesen, und eine Studie von 2019 kam zu dem Ergebnis, dass Strahlung die Behälter über 100.000 Jahre nicht wesentlich schädigen dürfte. Unseres Erachtens ist die Widerlegung durch die Entwickler der Methode ein Grund, unabhängige Prüfung aufrechtzuerhalten, nicht, das Ergebnis abzutun.

STUK selbst hat diese Bescheidenheit in seine Bewertung eingebaut. Die Behörde schlug Auflagen vor, die die periodische Sicherheitsüberprüfung vorziehen und eine Aktualisierung des Langzeitsicherheitsnachweises verlangen. Ihr Projektleiter sagte, der Betrieb werde „die ersten Erfahrungen“ liefern, wie Pläne und Systeme in der Praxis funktionieren. Das ist die ehrliche Einordnung: Eine Genehmigung wäre kein Ewigkeitszertifikat, sondern die Erlaubnis, mit echtem Brennstoff zu lernen.

Vier Jahrzehnte brauchte Finnland für Vertrauen, nicht für Technik

Der Zeitplan zeigt es. 1983 begann eine landesweite Standortvorauswahl. Ein Gesetz von 1994 verlangte, dass finnischer Abfall in Finnland entsorgt wird. Olkiluoto wurde im Jahr 2000 nach einem Standortvergleich gewählt, wobei die Unterstützung vor Ort ins Gewicht fiel. Der Aushub begann 2004, der Antrag wurde im Dezember 2021 gestellt. Selbst die abschließende Prüfung verzögerte sich mehrfach, wie NucNet berichtete, als die Behörde mehr Zeit und mehr Unterlagen von Posiva benötigte.

Wir deuten diese Verzögerungen als regulatorische Sorgfalt, nicht als Scheitern. Ein Verfahren, das mehrfach „noch nicht“ sagen kann und trotzdem zum Abschluss kommt, ist ein glaubwürdiges. Zudem gehört der Entsorger den Abfallverursachern, und das Geld ist zweckgebunden: Wikipedia nennt rund 1 Milliarde Euro, die bislang in den Bau flossen, geschätzte weitere 4 Milliarden Euro für ein Jahrhundert Betrieb und Verschluss sowie einen staatlichen Fonds mit etwa 1,4 Milliarden Euro. Das sind Richtwerte, doch die Struktur zählt mehr als die Zahl: Der Verursacher zahlt, und zwar im Voraus.

Gehen anderen Ländern also die Ausreden aus?

Teilweise, und wir würden es vorsichtiger formulieren als die These, von der wir ausgingen. Dass ein Standort die Sicherheitsprüfung besteht, macht die Geologie nicht universell. Onkalo liegt in Granit, und Eurajoki wurde unter anderem gewählt, weil dort die lokale Zustimmung zu den höchsten zählte. Schweden, Frankreich, das Vereinigte Königreich und die USA verfolgen laut World Nuclear News ähnliche Optionen, und keines davon kann Finnlands Gestein oder dessen lokale Politik kopieren.

Was sie nicht mehr behaupten können, ist, das Konzept sei eine Fantasie. „Wir brauchen mehr Forschung“ ist ein schwächeres Argument, wenn eine Behörde jahrelang einen vollständigen Sicherheitsnachweis geprüft hat. Die verbleibenden Ausreden sind unseres Erachtens politisch: Niemand will den Tunnel, und kein Wahlzyklus belohnt ein 100-Jahre-Projekt. Wer fragt, warum ein Ort wie Yucca Mountain nicht genutzt wird, findet im Kleinen dieselbe Antwort, wobei unsere Unterlagen diesen Fall nicht abdecken und wir nichts anderes vorgeben wollen.

Unser Urteil: Man sollte auf den ersten echten Behälter schauen, nicht auf den Papierkram. Beginnt Onkalo die Endlagerung planmäßig und bestätigen die ersten Betriebsjahre die Modelle, wird Zwischenlagerung wie Aufschieberei aussehen. Bis dahin gilt: Applaus für das Verfahren und Skepsis gegenüber jedem, der behauptet, das Problem sei gelöst.

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